Sozialkaufhaus Königslutter hilft bedürftigen Menschen weiter
Möbel, Hausrat und mehr zu moderaten Preisen

2010 Lehrscher BoteVon Uljana Klein
In Wolfsburg gibt es eins, in Braunschweig, in Helmstedt und auch in Königslutter. Die Rede ist von Sozialkaufhäusern. Kaufhäuser für bedürftige Personen. Im Zuge der Hartz IV-Gesetzgebung haben sich viele Probleme für die Menschen verschärft. Das Geld wurde noch knapper und reicht oft hinten und vorne nicht mehr aus. Selbst alltägliche Dinge sind für viele Hartz IV Empfänger kaum bezahlbar. Hoffnungsschimmer in solchen Notsituationen sind Sozialkaufhäuser. Gebrauchte Sachen wie Möbel, Hausrat oder Kleidung werden dort zu moderaten Preisen verkauft. Edda Breiting von der BVIK gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die zum großen Sozialverband Der Paritätische gehört, ist für das Sozialkaufhaus Königslutter mit dem Namen "Möbel, Haushalt & mehr" verantwortlich. Mit Unterstützung durch die Arbeitsgemeinschaft SGB II des Landkreises Helmstedt (ARGE) arbeiten dort derzeit rund 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind zuständig für den Verkauf, arbeiten in der Werkstatt gebrauchte Möbel wieder auf oder waschen und bügeln die Kleidung.
In einem ehemaligen Supermarkt im Gänsemarkt 7 in Königslutter ist das Sozialkaufhaus Königslutter zu finder. Es ist das zweite Sozialkaufhaus im
Landkreis Helmstedt. Auch die Gemeinde Lehre liegt im Einzugsgebiet dieses Kaufhauses. Hartz IV-Empfänger oder Menschen mit sehr niedrigen Einkommen oder Renten können dort preiswert einkaufen. Ein Paar Schuhe beispielsweise kostet 1 Euro oder ein Fernseher zwischen 20 und 50 Euro

Auch ein Esstisch mit vier Stühlen kann billig für 30 Euro erworben werden. Von Möbeln über Kinderspielzeug, Kleidung, CDs und Polstergarnituren kann in dem Kaufhaus alles gekauft werden, was das Herz begehrt. Die Sachen sind Spenden aus der Bevölkerung, die nun für ein geringes Entgelt an bedürftige Menschen in unserer Gesellschaft verkauft werden. Das Motto des Kaufhauses lautet: "Sie haben Dinge, von denen Sie sich seit langem trennen wollen, die aber für den Müll zu schade sind, dann kommen Sie zu uns. Wir vereinbaren gern mit Ihnen einen Abholungstermin." Und auch für den Transport der Möbel zu den neuen Eigentümern ist gesorgt: Auf Wunsch werden die gekauften Gegen, stände den Kunden. für ein kleines Entgelt nach Hause gebracht. Auch die ARGE übernimmt sogar unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für neue Gegenstände wie etwa Möbel.
Beim Betreten des Geschäfts herrscht rege Betriebsamkeit: In einer Ecke wird ein Sofa gesäubert, in der anderen eine Sitzecke umgestellt. Freundlich kommt ein Herr auf mich zu und fragt, womit er mir helfen könne und gleich darauf stehe ich vor Edda und Gerald Breiting. Das Ehepaar hat vor zwei Jahren die Gründung des Sozialkaufhauses Königslutter voran getrieben. "Bei der ARGE fanden wir große Unterstützung und erhielten elne Förderung für die Mitarbeiter des Kaufhauses", erklärt Edda Breiting, die als Bereichsleiterin bei der BVIK gGmbH tätig ist, einem sozialen Dienstleister des Paritätischen. In fünf verschiedenen Bereichen arbeiten Menschen im Rahmen von 1-Euro-Jobs im Sozialkaufhaus Königslutter. "Wir haben Mitarbeiter im Verkauf, in der Reinigung, im Bereich Lager/Transport im Büro und in der Werkstatt", so Edda Breiting. Die Mitarbeiter seien in der Regel selbst Hartz IV-Empfänger. Edda Breiting: "Sie wissen um die Sorgen und Nöte unserer Kunden ganz genau." Dies mache vielleicht auch die besondere Atmosphäre des Sozialkaufhauses aus.
Alle tragen das gleiche Schicksal. Auch die Verkäuferinnen und Verkäufer im Sozialkaufhaus Königslutter wissen, was es bedeutet, jeden Cent fünfmal umdrehen zu müssen. Es herrscht ein wohlwollender Umgangston zwischen Kunden und Verkäufern. Aber auch die Mitarbeiter untereinander sind sehr freundlich, sagt Virginia Wittkowski. Sie ist nur noch wenige Wochen Mitarbeiterin im Sozialkaufhaus Königslutter. Dann sei ihre Maßnahme leider vorbei. Und Edda Breiting ergänzt, dass die Mitarbeiter in der Regel sechs Monate in dem Kaufhaus tätig sind. Viele Schicksale hat Familie Breiting in den vergangenen zwei Jahren in "ihrem" Sozialkaufhaus bereits miterlebt. Aber schöne Momente gebe es auch - nämlich immer dann, wenn es ihr gelinge, einen Mitarbeiter nach der Maßnahme in eine reguläre Arbeit zu vermitteln. Aber auch strahlende Kinderaugen sind für Breitings und das Team der Garant dafür, auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn ein Kind seine Mutter immer wieder hartnäckig bittet, ihm ein bestimmtes Spielzeug zu kaufen, könne es schon mal vorkommen, dass der Preis für die begehrte Spielerei im Handumdrehen reduziert wird. So. dass es für die Mutter bezahlbar werde. Edda Breiting fügt schmunzelnd hinzu: "Dann
wahren alle ihr Gesicht: Die Mutter vor dem Kind und wir vor unseren Kunden." Denn gerade die Kinderarmut sei für sie immer wieder ein Problem. "Daran kann man sich auch nach vielen Berufsjahren einfach nicht gewöhnen. Das dreht mir immer wieder fast das Herz um", sagt die Frau mit den kurzen Haaren und der Brille nachdenklich. Arbeitslosigkeit habe sie selber erleben müssen. Auch dadurch sei das Leid ihrer Kunden für sie nachvollziehbar.
Im Sozialkaufhaus hat sie stets ein offenes Ohr für die Kunden und Mitarbeiter. Viele Kunden seien Stammkunden, man kenne sich schon lange. Da alle die gleichen Probleme plagen, sei es für die Kunden keine hohe Hemmschwelle, das Sozialkaufhaus zu betreten. Im Gegenteil, ist sich die Sozialpädagogin sicher.
Das nötige Rüstzeug bekommen die Mitarbeiter auch durch Schulungen und in individuellen Gesprächen an die Hand: Verkaufsschulungen oder Tipps von Experten zur Schaufenstergestaltung gehören da zum Repertoire. Der 58-jährige Karl-Heinz Schneider aus Helmstedt arbeitet gern im Sozialkaufhaus Königslutter. "Für mich ist es noch einmal eine gute Chance, berufstätig zu sein", freut sich der Mann. Einmal die Woche, immer freitags, findet eine Mitarbeiterbesprechung
statt. Alle haben hier die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorstellungen in die Arbeit und das Kaufhaus einzubringen.