Möbel und mehr im Sozialkaufhaus

2013 MZ
Die gemeinnützige Gesellschaft öffnet in der Gartenstraße in Gräfenhainichen ein Sozialkaufhaus. Die Einrichtung spricht keinen gezielten Kundenkreis an.
Monika Gabler ist eine der ersten, die sich in den Ausstellungsräumen umschauen. „So was hat Gräfenhainichen gebraucht“, ist die Heidestädterin sicher und kündigt an, demnächst häufiger vorbeizuschauen im Kaufhaus. Ein solches hat Gräfenhainichen wieder. „Ein Sozialkaufhaus“, präzisiert Ulrich Heller, Geschäftsführer der gemeinnützigen BVIK GmbH, die Träger der Einrichtung ist.
Bedarf ist überall vorhanden
„Kaufhaus: Großer Name für eine noch kleine Sache.“ Das weiß Heller. Aber er ist überzeugt davon, dass die Einrichtung in der Gartenstraße wachsen wird. Bedarf an preiswerten Kleidungsstücken und Einrichtungsgegenständen sei überall vorhanden: in Sachsen-Anhalt, Thüringen und auch in Niedersachsen. In allen drei Bundesländern betreibt sein Unternehmen Sozialkaufhäuser.

Die sind laut Heller „keine Geldverdieneinrichtung“. Dennoch muss der Kunde im Kaufhaus für alle Waren etwas bezahlen. Dafür bekommt er allerdings auch keinen Trödel oder Ramsch. „Wertvolles aus zweiter Hand“ bieten Dietmar Bebber und die beiden Bundesfreiwilligen Gisela Richter und Renate Wycisk an. Alles übrigens nicht für einen ausgewählten Kundenkreis. „Bei uns kann jeder einkaufen. Wir grenzen niemanden aus.“ Für BVIK-Chef Heller ist die Aussage wichtig. Denn so würde niemand gebrandmarkt. Kaufen für kleines Geld können alle: Besserverdienende, Bezieher von Arbeitslosengeld, Rentnerinnen wie Monika Gabler.

Die hält Ausschau nach einer Schrankwand, die sie sich unter normalen Umständen nicht leisten kann. „So etwas könnte mir schon gefallen.“ Der Fingerzeig geht in eine ganz bestimmte Richtung. Holz, Glas, reichlich Platz für Deko. Das Möbelstück ist gebraucht und sieht dennoch aus wie neu. Das kommt nicht von ungefähr. Schränke, Tische, Stühle werden von Mitarbeitern des Kaufhauses bei den Spendern vor Ort in Augenschein genommen. Erst dann wird entschieden, ob die Möbel ins Kaufhaus kommen. Zum Vorteil wird außerdem die Arbeit im Verbund. So ist es nicht auszuschließen, dass Kleidung, Geschirr und Mobiliar aus dem niedersächsischen Königslutter in der Heide angeboten wird. „Und umgekehrt. Wir nehmen die Spenden an und verteilen sie in unseren Einrichtungen“, betont Ulrich Heller, der in Gräfenhainichen gern wachsen möchte.

Zusammenarbeit mit Jobcenter

Aus dem Kaufhaus könnte ein echter Sozialbetrieb werden. Eine Einrichtung, die das Kaufhaus betreibt, selbst Ware organisiert, aufbereitet und in enger Zusammenarbeit mit dem Jobcenter für die Erstausstattung von Wohnungen Bedürftiger sorgt. Auch in Gräfenhainichen würden im BVIK-eigenen Selbstverständnis Bildung, Vermittlung, Integration und kommunale Dienstleistungen Gewicht bekommen. Beispiel wäre die in Zusammenarbeit mit dem Wittenberger Jobcenter angestrebte Maßnahme „Jugend handelt“, mit der jugendlichen Hartz IV-Empfängern der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden soll – Bewerbungsservice inklusive.

Bürgermeister Harry Rußbült (Linke) hat sich stark gemacht für das Kaufhaus, das er im tiefsten Innern seines Herzens gar nicht begrüßen könne. Immerhin würden solche Einrichtungen dokumentieren, dass es Leute gebe, die sich viel leisten könnten und eben auch andere, die nicht die Voraussetzung dafür hätten. Rußbült hat Bedarf in Gräfenhainichen ausgemacht und mit Gisela Richter und Renate Wycisk zwei Fürsprecherinnen. Die beiden Freiwilligen haben lange Zeit in der Kleiderkammer gearbeitet. „Da sind immer viele Leute dagewesen, haben Sachen geholt“, erinnern sie sich. Auch die Spendenbereitschaft in der Heide sei vorhanden. „Wir haben sehr viele Sachen bekommen. Ehrlich.“ Das Sozialkaufhaus in der Gartenstraße 1 in Gräfenhainichen hat Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 15 sowie Dienstag und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Geschrieben von MZ/ULF ROSTALSKY